08 März 2012

Zum Weltfrauentag 2005: Der Vaginavergleich.

Eine gute Freundin berichtete mir heute, sie habe am Morgen einen Radiobericht gehört, der sich thematisch mit Frauen beschäftigte. Mit Frauen im Wandel der Zeiten. Also im Wandel der Zeiten um die Frauen drumherum. Sonst hätte sie wohl auch wahllos eine bunte Damenillustrierte aufschlagen können, die sich hinlänglich mit dem Thema Frauen im Wandel ihrer persönlichen Zeiten beschäftigt. Meine gute Freundin jedoch hörte einen frauenthematisch ernstzunehmenden Gesellschaftsbericht, während sie ihr Kind im Auto in eine exklusive Kinderüberwachungsanstalt fuhr. Ich schwöre, ich wollte mich interessieren. Da Sie mich ja nun schon ein Weilchen kennen, ahnen Sie vielleicht bereits: Frau B. hat mal wieder nicht vollständig aufgepasst. Leider kann ich mich nur noch an die Passage erinnern, in der die gute Freundin berichtete, eine Anruferin habe gesagt, Frauen würden sich ihre Lippen heutzutage so anmalen, dass sie aussähen wie Vaginas.

Vielleicht habe ich in meiner Kindheit zuviel mit Jungs in Cordhosen gespielt. Oder ich bin obelixesque in einen großen Topf frischer Machosuppe geplumpst – in dieser Hinsicht haben mehrere Frauen meines Alters wirklich Glück, dass ich kein richtiger Mann geworden bin. Möglicherweise habe ich während meiner Adoleszenz in Ermangelung gängiger Jugendzeitschriften auch zu oft die Nase in die frauenaufklärerischen Schwarzerpublikationen meiner großen Schwester gesteckt und mir dabei, gierig buchstabenverschlingend, eine lilagetönte Emanzipationsallergie eingefangen. Wie auch immer: Bei diesen Frauenthemen presse ich reflexartig meine Handflächen auf beide Ohren und singe innerlich laut und schief. Mit Vorliebe Sechzigerjahreschlager, in denen Männer Cowboys sind und Frauen solche, die auf ihre Matrosen warten.

In meiner Geschlosseneohrenphantasie haben die Matrosenwartfrauen allesamt rotbemalte Münder, die sie für die Dauer des Wartens ständig gespitzt halten, da der Matrose ja quasi jederzeit sexuell verdörrt am Kai einschippern kann. Findet er dann äußerlich keinen sekundären Hinweis auf das primär begehrte Geschlechtsteil der Matrosenwartfrau (MWF), sieht er sie vielleicht gar nicht und sticht dann lieber wieder verwirrt in die See oder in eine andere Frau, die sich etwas besser vorbereitet hat. Dann gibt’s wieder lange Gesichter an der Matrosenwartfraufront. Passiert das mehreren MWFs gleichzeitig, kann der aufmerksame Phantasiebetrachter einen ganzen Hafen voller grau- und schmallippiger Damen mit missmutiger Mimik bewundern.

Mein Phantasiecowboy hingegen reitet ebenso ununterbrochen wie hartnäckig gegen Sonnenuntergänge an und raucht sich dabei um den Kuhjungenverstand. Er vermöbelt haufenweise Indianer, die ihm frech die Frau, deren Lippenstift, die persönliche Prärie und die Kühe mopsen wollen. Er lebt derart brandgefährlich, dass er sich immer Montags in einer Erfahrungsaustauschgruppe mit wundgeschipperten Matrosen und anderen Cowboys über die Gefahr des beruflichen Ausbrennens unterhalten muss, während seine Cowboyfrau in stiller Zufriedenheit und unter großem Sicherheitsgefühl mehreren braven Kindern einige schmackhafte Spiegeleier zum Abendessen brät. Den Mädchen erzählt sie beim Abendessen, wie man aus Rindertalg und gemahlener Rothaut einen fantastischen Lippenstift herstellen kann. Sie möchte nämlich sehr gerne, dass ihre Töchter später auch einen prima Cowboy abkriegen, der sich dann wiederum für die töchterliche Familie im Kuhmanagement aufreibt.

Ich bin mir übrigens sehr sicher, dass der von meiner guten Freundin gehörte Bericht gerade Menschen wie mir die Augen über gesellschaftliche Missstände in Frauenrechtsfragen öffnen wollte. Was da wohl drin vorkam? Entschuldigen Sie mich jetzt bitte. Ich muss da noch mal telefonisch nachhaken. Und frischen Lippenstift brauch ich auch. Mein Gatte kommt gleich von der Arbeit nach Hause.

Einen schönen Weltfrauentag wünscht

Ihre am Kai sitzende Frau B.



 [Sie lasen: Immergrünen Senf vom 08. März 2005]






1 Kommentar:

brunoremix hat gesagt…

Der alte Spruch, den ich von Opa habe, besagt: "Wie das Guschl, so das Muschl." Es ist war. Tatsächlich.